Weniger Stipendien, mehr Bewerber

Text/Quelle: Karin Völker/Westfälische Nachrichten vom 10.9.2020 (WN). Modelfoto:Colourbox.

Auch im kommenden Studienjahr gibt es für talentierte und engagierte Studierende das Deutschlandstipendium als Möglichkeit, den finanziellen Unterhalt im Studium aufzubessern. Das Rezept: Ein Stipendiengeber zahlt pro Jahr 1800 Euro für einen Stipendiaten einer Hochschule, der Bund stockt den Betrag um dieselbe Summe auf. Der Studierende erhält für ein Jahr pro Monat 300 Euro. Stipendiengeber, etwa Unternehmen, können ihre Stipendiaten für die eventuelle Gewinnung von Nachwuchs kennenlernen.

An der Universität Münster , die die Förderung als Pro-Talent-Stipendium vergibt, sind aktuell Nachfrage und Angebot stark ins Ungleichgewicht geraten. Mehr als ein Drittel mehr Studierende als bisher bewerben sich auf eine gesunkene Anzahl von Stipendien. Aktuell kommen auf 218 Stipendien 1578 Bewerbungen.

Studenten in finanzieller Not
Christiane Borgmann , die das Programm für die Universität organisiert und versucht, neue Stipendiengeber zu gewinnen, führt dies auf die Folgen der Corona-Krise zurück: „Viele Studierende haben ihre Nebenjobs verloren und suchen nach anderen Finanzierungsquellen“. Gleichzeitig treten Stipendiengeber zurück – ebenfalls mit Hinweis auf wirtschaftliche Probleme durch die Corona-Pandemie, wie Borgmann hinzufügt.

Die Verluste seien an der WWU noch weniger einschneidend als an Hochschulen, die fast ausschließlich auf Unternehmen als Sponsoren zurückgreifen könnten. "Wir haben auch viele Stiftungen und Privatleute, meist Absolventen, also Alumni als Förderer", so Borgmann.

Corona-Notfonds für Studierende
Insgesamt hat die Universität seit Entstehung des Programms vor neun Jahren nun fast 2000 Stipendien vermittelt – exakt sind es 1997. Bewerber werden von den Fachbereichen ausgewählt, überdurchschnittliche Leistungen im Studium und gleichzeitiges ehrenamtliches Engagement sind für den Erfolg ausschlaggebend.

Auch auf den von der Universität zu Beginn der Pandemie ins Leben gerufenen Corona-Notfonds haben viele Studierende zurückgegriffen. „Bisher wurden 878 Förderanträge bewilligt und durchschnittlich pro Person 440 Euro ausgezahlt“, erklärt WWU-Sprecher Norbert Robers. Auf den Aufruf der Universität, das Programm mit Spenden zu unterstützen, gab es eine „sensationelle Resonanz“, so Robers. Statt der von der Universität erwarteten rund 100 000 Euro an Spenden für den Notfonds gingen 393 000 Euro ein. „Viele Studierende unter den Antragstellern haben geschrieben, dass ihre Jobs gekündigt wurden, auch, dass Eltern von der Krise betroffen sind und die familiäre Unterstützung eingebrochen sei“, berichtet Robers.

Mittlerweile ist das interne Hilfsprogramm der Universität Münster ausgelaufen. Robers verweist auf den Corona-Notfonds der Bundesregierung, der über das Studierendenwerk vergeben wird.

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