»Die Versicherungsbranche zahlt ganz gut« - und nicht nur das!

Text/Quelle: Jan-Philipp Jenke / STUDI-Info WS 2020/21

Du willst Versicherungsexperte werden? Dann empfiehlt sich ein Studium der Versicherungswirtschaft. Professor Dr. Mirko Kraft von der Hochschule Coburg erzählt , welche Fähigkeiten Studierende mitbringen sollten.

STUDI-Info: Was macht ein Absolvent der Versicherungswirtschaft?

Professor Dr. Kraft: Es gibt drei Felder, in denen Absolventen der Versicherungswirtschaft im Moment sehr stark gebraucht werden. Das ist zum einen ganz klassisch im Versicherungsunternehmen – hier eher im Innendienst. Das sind Leute, die sich um Tarife und Verträge kümmern oder auch betriebswirtschaftliche Fragestellungen in den Unternehmen behandeln. Das zweite Feld sind die Bereiche Beratung und Wirtschaftsprüfung, wo Versicherungsunternehmen beraten bzw. geprüft werden. Da gibt es einen relativ hohen Bedarf an akademischen Absolventen. Das letzte Feld ist relativ neu und geht noch stärker in Richtung Digitalisierung. Das sind Insur-Techs, die im Bereich Versicherung Geschäftsmodelle entwickeln und dafür hochqualifizierte Mitarbeiter suchen.

STUDI-Info: Welche Voraussetzungen und Fähigkeiten sollten Studierende mitbringen?

Professor Dr. Kraft: Die formalen Voraussetzungen sind die Hochschul- beziehungsweise Fachhochschulreife, je nachdem ob man an der Uni oder FH einen Studiengang anfangen möchte. An der Hochschule Coburg reicht die Fachhochschulreife. Ansonsten gibt es mittlerweile die Möglichkeit, mit einer Ausbildung als Kaufmann/-frau für Versicherung und Finanzen und einer mindestens dreijährigen beruflichen Praxis ein Studium anzufangen. Ein Sonderweg ist der Fachwirt für Versicherung und Finanzen, der auch zu einem versicherungswirtschaftlichen Studium berechtigt. Zu den Fähigkeiten: Es gibt verschiedene Richtungen von Studiengängen. Es gibt eher mathematische oder rechtliche Studiengänge, wo man sehr speziell auch diese Fragen behandelt. Grundsätzlich ist Versicherungswirtschaft ein wirtschaftswissenschaftlicher beziehungsweise betriebswirtschaftlicher Studiengang, in dieser Richtung sollte man Interesse haben. Im Vergleich zu anderen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen ist eine gewisse Freude an Mathematik nicht schlecht, weil Versicherung letztlich mit Zahlen zu tun hat.

STUDI-Info: Welche Unterschiede gibt es bei den Studienformen?

Professor Dr. Kraft: Es gibt ganz normale Studiengänge. Wir haben an der Hochschule Coburg einen Vollzeitstudiengang, der sieben Semester umfasst, davon ein Praxissemester. Es gibt die Variante eines dualen Studiengangs – auch Verbundstudium genannt –, bei dem man eine Ausbildung als Kaufmann/ -frau für Versicherung und Finanzen und daneben den Bachelormacht. Außerdem gibt es berufsbegleitende Varianten, wo man schon eine Tätigkeit in der Versicherungswirtschaft ausübt und neben dem Job ein Studium anfängt, das dann zum Beispiel neben der Arbeitszeit samstags stattfindet.

STUDI-Info: Wie gut stehen die Chancen, direkt in den Beruf einzusteigen?

Professor Dr. Kraft: Die Chancen sind nicht schlecht. Die Versicherungsbranche ist im Moment noch sehr stabil, was die Arbeitsplätze anbelangt. Es werden in bestimmten Bereichen sehr stark Mitarbeiter mit höheren Qualifikationen gesucht. Wenn sogar noch (Wirtschafts-)Informatik dazukommt, dann ist das eine sehr gefragte Richtung.

STUDI-Info:Wie sehen die Gehaltsprognosenim Berufsleben aus?

Professor Dr. Kraft: Im Vergleich zu anderen Branchen zahlt die Versicherungsbranche ganz gut. Man muss differenzieren zwischen einem FH- und einem Uni-Abschluss, zwischen Bachelor und Master. Man verdient mit einem akademischen Abschluss aber deutlich mehr als nur mit einer Ausbildung. Es lohnt sich daher wirklich, an eine Ausbildung noch ein Studium anzuhängen.

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