Sonderpädagogik: Mehr als eine normale Lehrkraft

Text/Quelle: Pia Schrell /STUDI-Info WS 2020/21. Modelfoto: Colourbox.de

Sie sind Zuhörer, Vorbild, starke Schulter, Anker, Wogenglätter und Lehrkraft: die Lehrerinnen und Lehrer, die an Schulen mit Förderschwerpunkt unterrichten oder in Regelschulen sonderpädagogische Arbeit leisten.

Denn sie begleiten die Kinder und Jugendlichen, die besondere Unterstützung brauchen. Ninja ist eine von ihnen, die ihren Beruf mit Leib und Seele ausfüllt und seit 2013 an einer Schule im Brennpunkt in Berlin-Kreuzberg mit dem Förderschwerpunkt Sprache arbeitet.

Was ist Sonderpädagogik?
Aber worum genau geht es eigentlich bei einem Studium der Sonderpädagogik? Und ist das was für mich? Wenn du dich für ein Studium der Sonderpädagogik oder auch inklusiven Pädagogik entscheidest, beschäftigst du dich im Studium mit dem Lernen und der Bildung von Menschen, die beispielsweise psychische, körperliche oder geistige Besonderheiten haben.

Konkret geht es um Bildungsangebote für Schüler, die einen besonderen Förderbedarf haben und darum, wie du diese erreichen und bestmöglich unterstützen kannst. Denn dein Unterricht muss sich auf die Fähigkeiten des Einzelnen einstellen. Schon jetzt wird klar: In diesem Beruf bist du nicht nur Lehrer, sondern musst dich auch mit Erziehung und Entwicklung auskennen und individuellen Unterricht gestalten, von dem alle etwas haben.

Unterschiede in den Bundesländern
Dabei sind die Wege, um Lehrer oder Lehrerin für Sonderpädagogik oder inklusive Pädagogik zu werden, unterschiedlich. Denn wie so oft hängt es von dem Bundesland ab, indem man sein Studium startet beziehungsweise später arbeiten möchte.

Zudem ist wichtig, für welche Schulform und welche Fächerkombination du dich entscheidest. Auch hier gibt es Unterschiede in den16 Bundesländern, die du bereits vor Beginn des Studiums im Blick haben solltest. Was in der Regel aber immer gilt: Dein Studium ist in verschiedene Abschnitte gegliedert und schließt mit einem Master oder Staatsexamen ab. Geschafft? Dann folgt noch der so genannte Vorbereitungsdienst, auch Referendariat genannt.

Das war gar nicht so einfach
Ninja hat das alles schon hinter sich – auch einen Wechsel der Bundesländer während des Studiums hat sie gewagt, und das war gar nicht so leicht. Denkt also daran, euch vorher zu überlegen, wo ihr studieren wollt. Denn nicht jeder hat die Energie und den Ehrgeiz, den Ninja hatte: „Ich musste nach dem Wechsel von Würzburg nach Berlin viele Prüfungen und Scheine neu machen“, sagt sie. Sie studierte Lehramt an Sonderschulen mit den Schwerpunkten Sprache sowie körperliche und motorische Entwicklung und schloss erfolgreich mit ihrem Staatsexamen ab.

Mittlerweile hat sie die Uni und den Hörsaal hinter sich gelassen und steht mit beiden Beinen im Berufsleben. Doch auch wenn die Schule, an der sie arbeitet, auf den Förderschwerpunk Sprache ausgerichtet ist, hat sie im Alltag auch häufig mit sozialen und emotionalen Problemen der Schüler zu tun. „ Das kann man nicht immer losgelöst voneinander betrachten“, sagt sie.Sprache und Verhalten hingen unmittelbar zusammen und bedingten sich gegenseitig. „ Manche der Kinder bekommen mit der Zeit dann auch noch einen Förderschwerpunkt Lernen dazu.“

Erfahrungen aus der Praxis
Inzwischen hat sie einen großen Erfahrungsschatz, auf den sie zurückblicken kann, und hat viele Kinder begleitet: „Ich bin Klassenlehrerin“, sagt sie. Neben des Schreibens von individuellen Förderplänen, holt sie – genau wie ihre Kolleginnen und Kollegen – die Kinder genau dort ab, wo sie stehen.
„Als Lehrer musst du immer die normale Entwicklung von Gleichaltrigen im Kopf haben und schauen, wo das Kind sich in seiner Entwicklung aktuell befindet. Wo könnte es gerade noch Unterstützung gebrauchen? Welche Entwicklungsaufgaben bereiten noch Probleme? “Ninja versucht für ihre Klasse da zu sein und ein offenes Ohr zu haben: „Mir ist wichtig, dass ich jeden Tag mit jedem Kind einmal Kontakt habe und mir ein eigenes Bild davon machen kann, welche Themen gerade wichtig sind und wie es ihm geht.“ Dabei sind Zuspruch und Anerkennung genauso wichtig wie ein ruhiges Gemüt und eine positive Sicht auf die Dinge.

Praktikum zur Orientierung Manchmal ist das gar nicht so leicht. Daher hat sie eine klare Empfehlung für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, Sonderpädagogik zu studieren: „Macht auf jeden Fall vorher ein Praktikum und guckt euch genau an, ob das etwas für euch ist.“

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