FH Münster im Fokus: Fragen an Kanzler Guido Brebaum

Text (Interview)/Quelle: Karin Völker/ Westfälische Nachrichten (WN) vom 18.01.2020. Modelfoto: Colourbox.de

Sein erstes Semester an der Fachhochschule (FH) Münster ist fast vorbei – seit September ist Guido Brebaum Kanzler der Hochschule mit rund 15000 Studierenden. Auch wenn der 46 Jahre alte Verwaltungsfachmann und Ökonom aus Wettringen selbst nicht an der FH Münster studiert hat, kennt er die Hochschule sehr gut.

Mehrere Jahre arbeitete Brebaum als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung des Kreises Steinfurt – wo zahlreiche Unternehmen mit den technischen Fachbereichen der FH kooperieren – und in der Verwaltungsspitze der Stadt Coesfeld. Bevor er zum Kanzler der FH gewählt wurde, verantwortete Brebaum beim Landschaftsverband (LWL) ein Zwei-Milliarden- Euro-Budget im Finanzcontrolling. Im Gespräch mit Karin Völker spricht Guido Brebaum darüber, was seine neue Aufgabe an der FH so reizvoll macht.

Als Kanzler der FH haben Sie vermutlich ein nicht ganz so großes Budget wie beim LWL zu verwalten?

Brebaum: Nein, da die Institutionen auch sehr unterschiedliche Themen verantworten. Der Haushalt der FH Münster umfasst rund 120 Millionen Euro.

Reicht das für eine auskömmliche Finanzierung? Es gibt viele Klagen öffentlicher Hochschulen in NRW, dass das Land die langfristige Grundfinanzierung nicht sichere.

Brebaum: Die Beschreibung ist dem Grunde nach richtig, dass der sogenannte Zuschusshaushalt des Landes für uns nicht auskömmlich wäre. Deutlich weniger als 100 Prozent unseres Aufwandes werden hierüber finanziert. Gleichzeitig sind gerade wir Fachhochschulen stark ausgelastet, in unserem Fall derzeit zu 138 Prozent. Ohne ergänzende Mittel, etwa derzeit aus dem sogenannten Hochschulpakt von Bund und Land oder Drittmittel, ginge es nicht. Bund und Land haben sich aber zuletzt auf den „Zukunftspakt Studium und Lehre“ verständigt. Wir hoffen damit auf eine verlässliche Grundlage der Hochschulfinanzierung.

Stichwort hohe Auslastung. Die FH hat ihre Studierendenzahl in den vergangenen 15 Jahren auf jetzt gut 15.000 nahezu verdoppelt. Wie kommt es zu diesem immensen Wachstum?

Brebaum: Die FH Münster als eine Hochschule für angewandte Wissenschaften reagiert sehr unmittelbar auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Anforderungen –das heißt: Das Angebot ist in vielen Bereichen gewachsen. Ein Beispiel ist der Fachbereich Gesundheit, dessen 25-jähriges Bestehen wir im letzten Jahr begehen konnten. Es haben sich neue Berufsfelder entwickelt, die eine wissenschaftliche Ausbildung erfordern, weil es gesellschaftlich „dran“ ist.

Aber auch andere Fachbereiche haben neue Studiengänge konzipiert. Last but not least steht die FH Münster für eine hohe Qualität in der praxisnahen und akademischen Ausbildung.

Hat das Studium an der FH auch ganz allgemein an Beliebtheit und Akzeptanz gewonnen?

Brebaum: Das ist richtig. Hochschulen für angewandte Wissenschaften, so heißen ja jetzt offiziell die Fachhochschulen, liegen im Trend. Wir machen Wissenschaft – aber eben sehr nah an der Praxis. Die FH Münster ist besonders erfolgreich beim Einwerben von privaten und öffentlichen Forschungsgeldern. Den Erfolg unserer Forschungsaktivitäten belegt auch, dass wir bei der Drittmitteleinwerbung unter den Fachhochschulen bundesweit stets auf einem Spitzenplatz liegen.

Was macht das Studium an der FH Münster so reizvoll?

Brebaum: Wir sind in der Region stark verwurzelt, mit der Wirtschaft und vielen Institutionen bestens vernetzt. Davon profitieren auch unsere Studierenden. Gleichzeitig treiben wir schon seit langem die Internationalisierung voran, etwa durch internationale Studiengänge in Kooperation mit Partnerhochschulen in aller Welt. Außerdem sind viele Studiengänge stark interdisziplinär ausgerichtet. Schubladendenken ist bei uns schon lange Vergangenheit.Das macht es spannend!

Hat die FH Münster eigentlich auf längere Sicht genug Platz für all ihre Studierenden und Mitarbeiter?

Brebaum: Da gibt es permanent Bewegung. Wir starten ja gerade mit dem Bau des Hüffer-Campus – zusammen mit der Universität. Hier werden wir unsere Fachbereiche Gesundheit und Sozialwesen unterbringen. In der Hüfferstiftung werden wie gehabt die Verwaltung und insbesondere die Studienberatung untergebracht sein. Daneben gibt es ja unser großes FHZentrum an der Corrensstraße, unsere Fachbereiche auf dem Leonardo-Campus und noch weitere FH-Orte im Münsterland, wie wir sie nennen. Auf dem Campus Steinfurt, wo sich die FH Münster auch sehr gut entwickelt, stehen größere Modernisierungen mit dem Bau von Ersatzgebäuden an.

Ist eigentlich schon einmal erwogen worden, die getrennten Standorte in Münster und Steinfurt zusammenzuführen?

Brebaum: Ob das jemals gedacht wurde, weiß ich nicht, aber derzeit tut das sicherlich niemand. Die Aufteilung hat sich bewährt. Wir sind die zweitgrößte Hochschule in Münster, aber eben auch eine starke Hochschule in der ganzen Region.

Wie erleben Sie die Nachbarschaft mit der Universität Münster?

Brebaum: Sehr eng und harmonisch. Wir sind ja auch keine Konkurrenten, sondern ergänzen unser Studienangebot. Es gibt sehr viele Verbindungen. Beim Hüffer-Campus arbeiten wir eng zusammen. Weitere Felder sind unter anderem die Kooperation in der Lehrerausbildung oder jetzt beim Exzellenz-Start-Up-Center, das Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft heraus fördert.

Als Kanzler verantworten Sie auch den Personalbereich. Schafft die wachsende FH es denn, genügend Mitarbeiter zu gewinnen?

Brebaum: Das ist eine wichtige Herausforderung. Die FH Münster hat etwa 1200 Beschäftigte, davon 350 in Verwaltung und Technik, die dem Kanzler unterstehen. Mit rund 280 Professorinnen und Professoren und mehr als 430 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben wir ein breites Spektrum an hoch qualifiziertem Personal. Auch in der Ausbildung sind wir stark. Bisher konnten wir die Besetzung der Stellen erfolgreich gewährleisten. Personalakquise und -bindung ist aber in allen Bereichen auch für uns ein Riesenthema.

Dies könnte dich auch interessieren:

WiWo-Ranking: Unternehmen bewerten Hochschulen für angewandte Wissenschaften

Wie unterscheidet sich eine Fachhochschule von einer Universität?

Dual studieren: Harter Weg wird belohnt