Plan P – wie Praktikum: Einstieg oder Entlosschleife?

Ein Praktikum ist eigentlich nie eine verlorene Zeit. Kritisch wird es allerdings, wenn man sich wirklich nur von Praktikum zu Praktikum hangelt.

Text/Quelle: Pia Schrell/STUDI-Info WS 2019/20. Foto: Modelfoto: Colourbox.de; Foto Lisa Maria Wahlen (21) Foto: privat.

Dü überlegst, Zeit in ein Praktikum zu investieren? Aber was bringt das wirklich? Einstieg in einen späteren Job oder Warten in der Endlosschleife?

„Ich würde es immer wieder so machen“,sagt Lisa Maria Wahlen. Nach ihrem Schulabschluss entschied sie sich für ein Praktikum in Kanada. Nur auf der Couch abhängen und warten, ob ein Geistesblitz kommt, darauf hatte sie keine Lust. „Da geht ja auch irgendwann die Motivation verloren“, sagt sie.

Stattdessen besorgte sie sich ein Praktikum. Auf Vancouver Island kümmerte sie sich um Menschen mit Behinderung – neun Monate lang. „Eigentlich hatte ich vor, nur für ein halbes Jahr zu bleiben.“ Doch der 21-Jährigen, die heute Geografie und Umweltwissenschaften studiert, gefiel es so gut, dass sie verlängerte. „Ich finde, dass eine Auszeit, die an ein Praktikum gekoppelt ist, einen persönlich sehr viel weiterbringen kann.“ In ihren Augen muss es dabei nicht immer eine Tätigkeit sein, die auf ein Studium vorbereitet. Da gebe es auch andere Skills, die einen im Leben weiterbringen.

Praktika sind immer wertvoll
Das kann auch Dr. Bernt-Michael Hellberg vom Career Service der Universität Bielefeld bestätigen. „Grundsätzlich ist ein Praktikum immer förderlich für den Lebenslauf“, sagt der Psychologe. Potenzielle Arbeitgeber würden sehen, da hat sich jemand aktiv gekümmert und vielleicht schon erste Einblicke ins spätere Arbeitsfeld gesammelt.

 

 

»Ich habe nicht für das zukünftige Studium, aber dafür fürs Leben gelernt.«
Lisa Maria Wahlen (21) Foto: privat

Auch Praktika, die nach der Schule einer Orientierung dienten, hätten durchaus einen positiven Nutzen. „Einige Schüler sind aufgrund von G8 noch sehr jung. Da kann es sinnvoll sein, erst einmal Erfahrungen zumachen, die die eigene Reife weiterbringen.“ Diese Erfahrung hat auch Lisa Maria gemacht: „Ich bin viel selbstständiger geworden“, sagt sie. Wenn man nicht mehr zu Hause wohne und seine Wäsche und das Essen selbst machen müsse, wäre dies die logische Konsequenz. „Ich habe quasi nicht für das zukünftige Studium, aber dafür fürs Leben gelernt.“

Berufsfelder erkunden
„Wenn man nach der Schule Praxiserfahrungen machen möchte, kann es sinnvoll sein, Praktika in verschiedenen Berufsfeldern auszuprobieren und zu gucken, wie fühlt es sich in der Realität an“, rät Hellberg. Im Studium dagegen, empfiehlt er, sollten Praktika fachspezifisch und zielgerichtet sein. So habe man auf Dauer auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen und einen Vorteil gegenüber Mitbewerbern ohne Praxiserfahrungen.

„Die Arbeitgeber gucken, ob jemand die Abläufe kennt und fachspezifische Aufgaben meistern konnte.“ Er rät dazu, diese Erfahrungen unbedingt während des Studiums zumachen: „Damit man nicht später mit einem Masterzeugnis in der Hand dasteht und keinerlei Praxiserfahrungen hat.“ Studierende sollten sich ab dem dritten Semester mit ihrer Berufsorientierung auseinandersetzen. Aber aufgepasst! Laut Dr. Hellberg müssen es nicht zwingend Praktika sein, die für einen späteren Job qualifizieren: „Wenn jemand ehrenamtlich Vorstandsarbeit für einen Verein leistet oder neben der Uni im Betrieb der Eltern mitarbeitet, kann das für Arbeitgeber auch spannend und qualifizierend sein.“

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