Grundschullehramt : Viele scheitern am NC

An den Grundschulen fehlen Lehrer. Sind die Studienzugangsbedingungen zu hoch?

Text/Quelle: Karin Völker / Westfälische Nachrichten (WN) vom 11.09.2019. Foto: Modelfoto: Colourbox.de

Der junge Mann aus Münster will Grundschullehrer werden – unbedingt. Nach Abitur und Freiwilligendienst an einer münsterischen Grundschule hat er sich um einen Studienplatz beworben. Ohne Erfolg, den erforderlichen Numerus clausus (NC) hat er im Abitur knapp verfehlt. Jetzt heißt es warten – während im Regierungsbezirk, und auch in der Stadt Münster fast jede zweite offene Stelle an den Grundschulen mangels Bewerbern nicht besetzt werden kann.

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung hat das Fehlen von rund 26 000 Grundschullehrern bis 2025 errechnet, 11. 000 mehr als die Kultusministerkonferenz prognostiziert. Der junge Münsteraner ist einer von 3.234 Bewerbern um einen Studienplatz im Lehramt Grundschule an der Universität Münster.

Nur knapp jeder Zehnte darf ein Studium aufnehmen. Die Zulassungsgrenze, also der NC, lag diesmal je nach Fächerwahl bei 1,9 bis 2,2. Die Universität, so wird bereits im Rektorat seit Längerem bekundet, wäre bereit, mehr Studienplätze aufzubauen, wie es aktuell Bundesbildungsministerin Anja Karliczek gefordert hat. Doch dafür werden zusätzliche Mittel gebraucht – vor allem für Lehrpersonal. Diese müsste das Wissenschaftsministerium bewilligen.

Auf die Anfrage der WN, ob angesichts des Lehrermangels daran gedacht ist, die Kapazität der Hochschulen für die Grundschullehrerausbildung zu erhöhen, antwortet Jochen Mohr, der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, dass die Landesregierung bereits 2018 „auf den hohen Bedarf reagiert und die Anzahl der Studienplätze um 18 Prozent erhöht“ habe. Insgesamt stehen in Nordrhein-Westfalen laut Landesregierung im Wintersemester 2.220 Bachelor-Plätze für das Lehramt Grundschule zur Verfügung.

Die Hochschulen hätten die Möglichkeit, bis zu 60 Prozent der Studienplätze nach einem selbst gestalteten Auswahlverfahren zu vergeben, das etwa berufliche Erfahrungen und Eignung berücksichtige. Was die Uni Münster ebenso wie alle anderen lehrerbildenden Hochschulen in NRW nicht in Anspruch nehme, wie Norbert Robers, Sprecher der Universität, sagt. Der Aufwand, den ein solches Auswahlverfahren mit sich bringe, sei mit den vorhandenen Personalkapazitäten nicht zu bewältigen.

Dies könnte dich auch interessieren:

Grundschule international und ohne NC studieren

Wie werde ich Waldorf-Lehrer?

Begehrt: Öffentlicher Dienst als Arbeitgeber

Sonderpädagogik: Mehr als eine normale Lehrkraft