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Wohnungssuche in Münster: Die Konkurrenz wird härter

Text/ Quelle: Karin Völker /Westfälische Nachrichten (WN) vom 30.03.2019. Foto: Modelfoto: Colourbox.de. Foto Horoba: Pjer Biederstädt.

Für Studierende war es noch nie einfach, in Münster eine Wohnung zu finden. Das Budget ist schmal und die Konkurrenz groß. Wenn am Montag das Sommersemester an den Hochschulen in Münster anfängt, beginnen nur Studienanfänger in wenigen Fächern – was die Wohnungssuche zumindest etwas einfacher macht.

Luca Horoba studiert Geografie und Soziologie und ist außerdem Wohnraumreferent des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Universität Münster. Die Wohnungsprobleme der Studierenden kennt er aus der täglichen Arbeit im AStA-Häuschen. Mit Sorgen blickt er schon jetzt auf den Herbst.

Warum ist die Wohnungssituation in diesem Jahr noch angespannter als sonst?

Luca Horoba: Das Studierendenwerk hat etwa 1000 Wohnplätze weniger im Angebot als noch vor einem Jahr. Weil Wohnungen wegfallen oder große Anlagen saniert werden. Das be­einflusst den gesamten Mietmarkt ganz erheblich, denn die Konkurrenz um die etwas preiswerteren Wohnungen wird deutlich härter.

Was genau sind denn die Konsequenzen?

Horoba: Zum einen werden mehr Erstsemester, die nicht ganz so weit weg wohnen, notgedrungen pendeln. Für die ganze Studienorganisation, eigentlich das ganze Alltagsleben als Studierende hat das gravierende Folgen. Es werden sich aber auch junge Leute dagegen entscheiden, nach Münster zu kommen, und sich an andere Hochschulen orientieren.

Kennen Sie solche Fälle aus der Vergangenheit?

Horoba: Ja sicher, das ist auch früher schon häufiger passiert. Es betrifft besonders internationale Studierende. Sie können nicht immer mal wieder vor dem Studium nach Münster kommen, um hier aktiv eine Wohnung zu suchen. Das ist wirklich ein Problem, wir brauchen hier flexiblere Lösungen.

Wie könnten die aussehen?

Horoba: Es würde zum Beispiel schon helfen, wenn das Studierendenwerk oder auch Privatpersonen Zimmer für ein oder zwei Monate anbieten würden. Das würde den Leuten, die neu nach Münster kommen, etwas Luft verschaffen – und die Möglichkeit, vor Ort zu suchen.

Ist bekannt, wie viele Studierende der münsterischen Hochschulen pendeln?

Horoba: Die Stadt Münster schätzt, dass etwa 30 Prozent pendeln, also rund 20. 000 Studierende. Von ­vielen wissen wir, dass sie weiter an ihren Heimatorten wohnen bleiben, unter anderem weil sie keine finanzierbare Wohnung finden. Letztlich muss ja das Studium finanziert werden – und viele können sich die Mieten hier einfach nicht leisten.

Was muss man denn durchschnittlich für die Miete veranschlagen, wenn man in Münster studiert?

Horoba: Ein WG-Zimmer, das nicht ganz weit außerhalb liegt, kostet rund 350 Euro. Wobei es günstigere Angebote gibt, aber auch noch deutlich teurere. Wenn man bedenkt, dass der Bafög-Höchstsatz bei 735 Euro liegt und auch Studierende, die kein Bafög bekommen, meistens nicht mehr Geld zur Verfügung haben, dann frisst die Miete schon etwa die Hälfte des Budgets. Eigentlich sollte man fürs Wohnen nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens ausgeben.

Wie finanzieren die Studierenden denn die teuren Wohnungen?

Horoba: Die meisten haben neben dem Studium noch einen Job von wöchentlich zehn bis zwölf Stunden. Nach der Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks sind das in Münster rund 70 Prozent. Damit sind die meisten mit ihrem Zeitbudget für Studium und Job am Limit.

Niedrigere Mieten erhöhen auch die Chancen für erfolgreicheres Studieren?

Horoba: Ganz bestimmt. Das Studierendenwerk konnte vor wenigen Jahren etwa zwölf Prozent der münsterischen Studierenden mit Wohnraum versorgen. Jetzt sind es noch acht Prozent. Und wenn mehr preiswerte Wohnungen für Studierende auf dem Markt sind, ist das gut für alle.

Inwiefern?

Horoba: Die Studierenden sind ja auch eine bedeutende Konkurrenz gerade für Familien in Münster, die eine Mehrzimmer-Wohnung suchen. Wenn sich zum Beispiel drei Studierende zusammentun, können sie meist eine höhere Miete zahlen als eine Familie mit einem oder zwei kleineren Einkommen. Die Folge ist klar. Wenn durch die vielen WGs höhere Mieten zu erzielen sind, steigen die Preise auf dem privaten Markt.

Sind abgesehen davon, dass das Studierendenwerk ein größeres Angebot braucht, Maßnahmen vorstellbar, die Entlastung bringen könnten?

Horoba: Wir brauchen mehr Kreativität – nicht nur, was Vertragsgestaltung bei Mietverhältnissen angeht. Die Flexibilisierung des Studienbeginns könnte den ­Andrang im Wintersemester vermindern. Man könnte auch überlegen, wo es möglich wäre, Gebäude im Eigentum des Bau- und Liegenschaftsbetriebs vielleicht mit Wohnungen aufzu­stocken. Man könnte etwa schauen, in welchen Gebäuden man durch Umnutzungen, vielleicht auch nur temporär, Wohnungen für Studenten einrichten könnte. Das könnten auch Gewerbeimmobilien sein.

Wie das ehemalige Finanzamt an der Münzstraße?

Horoba: Ja, um die Nutzung haben wir wirklich intensiv gekämpft. Wie es aussieht ohne Erfolg. Es soll ja jetzt weiter als Bürogebäude für die Uni genutzt werden. Archtekturstudierende der FH haben eine Machbarkeitsstudie angefertigt und detaillierte Pläne ausgearbeitet. Das hätte ein Haus für rund 100 Studierende werden können.

Haben Sie den Eindruck, das Wohnungsproblem für Studierende wird in Münster von den entscheidenden Stellen ernst genug ge­nommen?

Horoba: Wir nehmen schon ernsthaftes Bemühen wahr, etwa bei der Stadt. Was helfen könnte, wäre etwa eine institutionalisierte Einbindung der Forschung, von Experten, die sich mit Planen und Wohnen beschäftigen. Erkenntnisse könnten so besser in Politik und Verwaltung transferiert werden. Wir wünschen uns mehr Projekte, in denen mehrere Generationen zusammenleben. Natürlich ist studentisches Wohnen immer ein Wohnen auf Zeit – aber wir möchten Münster auch einiges zurückgeben.

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