Studieren im Alter: Das sollten Ü-50 Studenten wissen

Viele Ü-50-Studierende wollen es noch einmal wissen. Mit dem Studium im Alter erfüllen sie sich oft einen Lebenstraum.

Text/Quelle: Pia Schrell / STUDI-Info. Foto oben: Modelfoto: Colourbox.de; Foto Jüttemann: privat

Lieber interessierter Leser,vorab möchten wir dich informieren, dass wir uns auf unserem Portal duzen. Bitte wundere dich deshalb nicht über die vielleicht ungewohnte Anrede. Nimm sie vielleicht als Vorgeschmack auf den künftigen Unialltag. Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg beim ev. Studium wünscht  dir STUDI-Info. (Die Redaktion)

Derzeit studieren circa 55. 000 Menschen bundesweit, die älter sind als der Durchschnittsstudent. An der Uni Münster sind es z. B. rund 2000 Senioren, die es im höheren Alter noch einmal wissen wollen und mit ihren jüngeren Kommilitonen in den Hörsälen sitzen und Theorien und Vorträgen ihrer Professoren folgen. Studieren im Alter ist beliebt und bietet eine neue Möglichkeit, um sich nach dem Beruf oder der Familienphase noch einmal ganz neu seinen Interessen zu widmen. Und dazu braucht es nicht unbedingt ein Abitur.

„Viele von unseren Studenten im höheren Alter erfüllen sich einen Lebenstraum“, sagt Dr. Veronika Jüttemann. Sie kümmert sich an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) um das Thema „Studium im Alter“.  Dabei liegt das durchschnittliche Alter bei 67 Jahren.

Die Gründe für ein Seniorenstudium sind bei den Teilnehmern so verschieden wie die Biografien der Studierenden selbst. Doch was viele gemeinsam haben: „Auch wenn sich viele lange nach dem Ruhestand gesehnt haben, stellen sie nach einer Weile fest, dass es sich anders anfühlt als Dauerurlaub“, sagt Dr. Jüttemann.

Kommt dir das bekannt vor?  Viele Menschen, die ein Seniorenstudium starten, wünschen sich…

  • Kontakt zur jüngeren Generation
  • eine Struktur in der Woche
  • Erfolgserlebnisse
  • Lernen mit oder ohne Leistungsdruck (z.B. mit normaler Gasthörerschaft oder einem Zertifikatsstudium)
  • Wissenserwerb zu Themen, die oft schon ein Leben lang interessieren
  • geistige Fitness und eine Herausforderung

Endlich Zeit für mehr Wissen
Auch Elisabeth will es wagen. Die 64-Jährige hat sich entschieden: Sie möchte zur Uni gehen und sich in Vorlesungen noch mehr Wissen in Philosophie und Germanistik aneignen, das fand sie schon immer spannend. Und ihre grauen Zellen sind noch längst nicht eingeschlafen. Mit ihrer Hand greift sie nach dem Kugelschreiber, den sie später im Hörsaal brauchen wird.

Sie war schon immer eine Frau, die zupacken konnte. Früher im Garten, im elterlichen Betrieb oder erst kürzlich beim Umzug in eine kleinere Wohnung. „Meine beiden Töchter sind aus dem Haus, da habe ich endlich Zeit und ich brauche dringend Input für meinen Kopf“, sagt sie. So etwas wie Vorfreude glänzt in ihren Augen, weil sie nun endlich als Gasthörerin in den Hörsaal kann.

Nehme ich als Senior jungen Menschen den Platz weg?
Doch so zuversichtlich und entschlossen war sie nicht immer. „Ich habe mich schon gefragt, ob ich nicht jungen Studenten den Platz wegnehme oder ob ich ohne Abitur überhaupt zugelassen werde.“ Inzwischen weiß sie: Ihre Sorgen waren unbegründet. Denn als Gasthörerin bekommt sie nur Zugang zu den Vorlesungen und Seminaren, die genug Kapazitäten für alle haben. „Wir von der WWU  sprechen beispielsweise vorab mit den Dozenten und fragen sie, in welchen Vorlesungen und Seminaren genügend Plätze vorhanden sein werden“, sagt Dr. Jüttemann. So können alle Interessierten ohne Sorgen alle Veranstaltungen besuchen, die geöffnet und entsprechend im Vorlesungsverzeichnis aufgeführt sind.

Aber es gibt Ausnahmen: „Dort, wo Laborarbeitsplätze oder Zeichenplätze nötig sind, können Gasthörer grundsätzlich nicht teilnehmen. In Fächern wie Medizin ist es manchmal auch etwas schwierig, da teilweise über Patienten gesprochen wird und dies an bestimmte Vorgaben und Schweigepflichten gekoppelt ist“, erklärt Dr. Jüttemann das Vorgehen in Münster.  Die WWU schaffe allerdings Abhilfe durch extra Vortragsreihen zu medizinischen Themen, die dann auch von Senioren, die als Gasthörer immatrikuliert sind, besucht werden könnten.

Studieren ohne Abitur
Die Erfahrung zeigt: Die meisten Senioren entscheiden sich für eine Gasthörerschaft. Und dafür braucht es in der Regel kein Abitur. „Lediglich in Bayern gibt es teilweise Ausnahmen“, sagt Bernd Werner Schmidt vom Akademischen Verein der Senioren in Deutschland (AVDS). Auch er hat sich für ein Studium im Alter entschieden und bereut es nicht. Seine Motivation ist dabei eine ähnliche wie die von Elisabeth: „Ich wollte noch was leisten!“

Inzwischen hat er sein Know-how in Alt Griechisch auf Vordermann gebracht und kann mit den jungen Kommilitonen ganz gut mithalten: „Am Anfang musste ich erst einmal so tun, als würde es mir leichtfallen“, gesteht er und schmunzelt.  Aber mit mehr Übung und ordentlich Vokabeltraining ging es dann ganz gut. „Ich wollte ja nicht als Depp dastehen!“

Du willst auch im Seniorenstudium durchstarten? Dann helfen dir diese 5 Tipps von erfahrenen Ü-50-Studenten beim Einstieg

  •  Pass dich deinen Kommilitonen an und toleriere Situationen, in denen es im Hörsaal etwas lauter ist. „Spielt bloß nicht den Besserwisser oder Hilfssheriff!“
  • Schau dich vorab auf dem Campus um und recherchiere, wer für dich und deine Anliegen der richtige Ansprechpartner ist.
  • Besorge dir einen Studienführer, so kannst du vorab schon einige Infos checken und Fragen klären.
  • Besuche zunächst nur Vorlesungen und keine Seminare. In Vorlesungen sind viele Menschen zusammen im Hörsaal und du kannst Uni Luft schnuppern und ein Gefühl für die neue Situation bekommen.

Hier findest du aktuelle Infos zu Studieren im Alter und Corona'

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