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NRW will Landarztquote für angehende Medizinstudenten einführen

Text /Quelle: Hilmar Riemenschneider /Westfälische Nachrichten (WN) vom 6. Juni 2018
Foto: Modelfoto:Colourbox.de

Schon jetzt ist die Lage in vielen kleinen Orten ernst: Wo sich früher mehrere Hausärzte um die Bewohner kümmerten, ist es manchmal nur noch einer. Allein im Münsterland zählt das NRW-Gesundheitsministerium 22 Gemeinden auf, wo die hausärztliche Versorgung gefährdet ist.Jedes Jahr geben derzeit rund 450 der insgesamt 11 000 Hausärzte ihre Praxis auf, aber an den Unis schließen nur 200 frisch ausgebildete Allgemeinmediziner ihr Studium ab, rechnete Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Dienstag die Misere vor.

NRW werde darum als erstes Land eine Landarztquote für die Vergabe der Studien­plätze einführen. Die Bewerber sollen in einem Vorabverfahren ausgewählt werden – nicht von den Unis, sondern vom Landeszentrum für Gesundheit in Bochum

Rechtssicheres Auswahlverfahren angestrebt
Neben der Abiturnote sollen insbesondere auch empathische Fähigkeiten und eine berufliche Vorbildung etwa in der Pflege oder im Sanitätsdienst bei der Ver­gabe bewertet werden. Auch ein Eignungstest ist vorgesehen. Ziel sei dabei ein rechtssicheres Auswahlverfahren, betonte Laumann. Viele andere Flächenländer beobachteten deshalb interessiert, wie das Verfahren ablaufe. Wer sich mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag für das Landärzte-Programm verpflichtet, ist aus allen weiteren Vergabeverfahren ausgeschlossen. In dem Vertrag will Laumann auch eine empfindliche Vertragsstrafe festlegen. 150 000 Euro, wie sie in Bayern erwogen werden, sind dem Minister zu niedrig: „Dafür tun wir es nicht.“ Es müsse mindestens um die Kosten eines Medizinstudiums gehen – das wären etwa 250 000 Euro.

Quote greift erst in 10 Jahren
Laumann wehrte sich entschieden gegen die Kritik, er zwinge junge Mediziner aufs Land: „Ich möchte, dass diejenigen, die sich vorstellen können, Landärztin oder Landarzt zu werden, einen Studienplatz bekommen.“ Die Zahl von zunächst 168 bis 170 Studienplätzen für die Landarztquote werde steigen, wenn die medizinische Fakultät für Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld für weitere 300 Studierende den Betrieb aufnehme, kündigte Laumann an. Details dazu werde er mit Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer- Poensgen nach den Sommerferien vorstellen. Am Ende werde die Zahl der Absolventen in der Allgemein­medizin nahezu verdoppelt. Der Minister räumte ein: „Die Quote wird uns frühestens in zehn Jahren neue Landärzte bringen.“

Kurzfristige Maßnahmen gegen den Ärtemangel
Um vorher mehr Mediziner als Hausärzte zu gewinnen, will das Land sein Förderprogramm für die Übernahme einer sonst auslaufenden Praxis auf rund 160 kleine Kommunen mit maximal 25 000 Einwohnern konzentrieren. Zudem sollen sich ältere Krankenhausärzte in einer auf zwölf Monate verkürzten Fortbildung zu Allgemein­medizinern qualifizieren können. In dieser Zeit finanzieren Kassen und Kassenärztliche Vereinigung ein Monats­gehalt von 9000 Euro. „Von heute auf morgen verändert sich das Blatt nicht“, gestand Laumann zu. Doch seien die Bedingungen für Landärzte ähnlich denen von Kollegen in den Städten. Dazu gehöre, dass das Land bis 2022 die Notfallversorgung an Krankenhäuser andocken werde.

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