Was ist bei einem Studium in den Niederlanden anders?

Text / Quelle: Dorothee Harbers und Anke Beimdiek / STUDI-Info WS 2017/18
Foto: Universität of Twente / STUDI-Info WS 2017/18

So nah und doch so anders: ein Studium in den Niederlanden

Das Studium in den Niederlanden unterscheidet sich in so manchem Punkt vom deutschen Uni-Alltag, wie zwei Studentinnen aus dem Münsterland erfahren haben. STUDI-Info hat nachgefragt.

Kleine Kurse - viel Praxis
Es klingt wie ein perfekter Gegenentwurf zu den deutschen Massen-Universitäten: In den Niederlanden haben Studenten einen direkten Draht zu ihren Dozenten. Es gibt kleine Kurse und Vorlesungen und einen besonders praxisnah ausgerichteten Lehrplan. Christina Gromöller aus dem Münsterland hat an der Saxion Hogeschool in Enschede ihren Bachelor im Fach „Bouwkunde“ (Baukunde) gemacht. „Der Studiengang ist sehr praxisorientiert. Auch der Kontakt zu den Dozenten ist unkompliziert“, erzählt die 28-Jährige.

Studium ist verschult
Das System gleiche dem einer Schule. „Es gibt in den ersten Jahren wenig Möglichkeiten, einen eigenen Fächerkatalog zusammenzustellen, so dass die gesamte ,Klasse‘ die gleichen Vorlesungen hat.“ Diese Erfahrung hat auch Karolina Vaschenko gemacht. Die 25-Jährige kommt ebenfalls aus dem Münsterland, einer Region,die durch ihre Grenznähe traditionell gute Kontakte in die Niederlande pflegt.

Auf Englisch studieren möglich
Den Bachelor in International Business Administration hat sie im vergangenen Jahr an der Universität Twente gemacht. Jetzt hängt sie ihren Master gleich hintendran – natürlich auch in Twente. „Ich habe mich für ein Studium in Holland entschieden, da ich auf Englisch studieren wollte“, erzählt sie. Ein Studium in England oder den USA schied aus Kostengründen für sie aus.

Schnell hat Karolina die akademische Ausbildung in Holland schätzen gelernt:zum Beispiel die regelmäßigen Klausurenphasen: „Das motiviert, den Lernstoff ständig zu wiederholen.“ Sie schwärmt von praktischen Projektarbeiten und Professoren, die immer ein offenes Ohr für ihre Studenten haben. Bei deutschen Abiturienten mit durchschnittlichen Noten sind die Niederlande schon lange beliebt. Da es nur in wenigen Studiengängen einen NC oder ein Losverfahren gibt, reicht vielfach eine Anmeldung. „Das bedeutet nicht, dass man den Herausforderungen des Studienganges gewachsen ist. Viele Studenten brechen im Laufe des ersten Semesters wieder ab“, erzählt Christina.

Studentenbuden oft teuer
Schwierigkeiten gibt es manchmal bei der Wohnungssuche.Studentenbuden sind gerade in typischen Uni-Städten knapp, klein und deutlich teurer als in Deutschland, sagt die 28-Jährige. Auch der Aspekt Studienfinanzierung ist in den Niederlanden, wo Studiengebühren fällig werden, anders. „Man kann Auslands-Bafög beantragen, sollte dies allerdings so früh wie möglich tun“, erzählt Christina.

Auslandsbafög beantragen
Sie erhielt auch die sogenannte Studiefinancering. „Stufi“, wie die finanzielle Unterstützung heißt, können Nicht-Niederländer bekommen, wenn sie einige Stunden in der Woche arbeiten. Dazu gibt es auch ein Zug- und Busticket, mit dem man durch ganz Holland fahren kann. Der Uni-Betrieb in Twente hat Karolina überzeugt: „Ich bereue kein Stück, dass ich hier studiere.“ Und am Ende klingt es sogar fast wie eine Liebeserklärung an Land, Leute und Lehre: „Wenn man hier einmal über den Campus läuft, will man gar nicht mehr irgendwo anders hin.“

Das könnte dich auch interessieren:

Studieren in den Niederlanden inkl. Liste der Hochschulen

Psychologie in den Niederlanden

Von der Uni zum Start-up: die unternehmende Uni der Niederlande