Studenten berichten: Auf Umwegen ins Klassenzimmer!

Text / Quelle: Lisa Bättgen / you only study once
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In unserer Reihe „Studenten berichten“ erzählen Studis über ihr Studium und geben Tipps für alle, die auch studieren möchten. Über das Lehramtsstudium und ihren Weg dorthin, berichtet Lisa Bättgen, die zunächst 6 Semester Biologie studierte, um in die Forschung zu gehen. Jetzt hat sie an der Bergischen Universität Wuppertal das Masterstudium of Education aufgenommen. Sie sagt: Das Masterstudium ist „vielseitig“ und „praxisnah“  - und „auch auf Umwegen kommt man zum Ziel“.

Lisa Bättgen engagiert sich seit Anfang des Jahres 2016 ehrenamtlich für das studentische Projekt you only study once und möchte Schülern und Schülerinnen einen Einblick in ihren Studienalltag ermöglichen.

Ich studiere Biologie und Spanisch im ersten Semester des Master of Education an der Bergischen Universität Wuppertal, möchte also Lehrerin am Gymnasium oder der Gesamtschule in Biologie und Spanisch werden. Wie ich zu diesem Berufsziel gekommen bin, wie mein Studienstart war, wie das Lehramtsstudium ist und was es mit den „Umwegen“ auf sich hat, möchte ich euch im Folgenden kurz erzählen.

Nach dem Abitur habe ich mich zuerst einmal dazu entschieden, Biologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf zu studieren. Im Abitur hatte ich den Leistungskurs in Biologie gewählt und war total fasziniert von der Forschung. Ich war mir sicher, dass das mein absoluter Traumjob ist. Da mir viele Freunde und auch Familienmitglieder jedoch davon berichteten, dass es in dieser Branche sehr schwer ist, eine sichere und gut bezahlte Arbeitsstelle zu finden, entschied ich mich die Berufsberatung des Arbeitsamtes zu konsultieren. Dort wurde ich darüber informiert, dass es in der Forschung ganz besonders auf die Branche ankommt, dass es in den Bereichen Botanik oder Zoologie eher schlecht aussieht, aber dass es in der Molekularbiologie oder Genetik schon viele Stellen gibt. Also stand für mich mein Studienfach eindeutig fest und ich bekam einen Platz an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, wie schon erwähnt.

Was ist mir wichtig im Leben?

Das Studium gefiel mir sehr gut, auch wenn es am Anfang etwas schwierig war, mich in der Universität zurecht zu finden. Aber dazu später mehr. Gerade in den letzten beiden Semestern hatte ich jedoch näheren Kontakt zu den Dozenten und Dozentinnen und deren Berufsalltag und mir wurde klar, dass ich wohl doch die falsche Berufswahl getroffen hatte. Wer in der Forschung arbeiten möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass er sehr wenig Freizeit haben wird und kaum Platz für eine Familie ist.


Was ist mir wichtig im Leben? Neue Prioritäten veranlassten Lisa Bättgen nach 6 Semestern Biologie ( Bachelor of Science) auf ein Lehramtstudium umzusteigen. Die geleisteten Semester wurden ihr angerechnet. Hilfe für den Wechsel holte sie sich bei der Berufsratung des Arbeitsamtes und Studienberatungen.

Sofort ließ ich mir wieder einen Termin bei der Berufsberatung des Arbeitsamtes geben. Während der Beratung wurde ich nach absolvierten Praktika und nach Interessen gefragt. In der 11. Klasse hatte ich ein Praktikum an einer Grundschule gemacht, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hatte. Da kam ich zusammen mit der Dame von der Berufsberatung auf die Idee ganz einfach meine beiden Interessen zu kombinieren und Biologie mit einem weiteren Fach auf Lehramt zu studieren. Da Spanisch in der Schule eins meiner Lieblingsfächer war, konnte ich auch dieses Problem schnell lösen. Ich informierte mich bei den Studienberatungen verschiedener Universitäten, zumeist auch persönlich, um einen Eindruck von der Universität und der jeweiligen Stadt zu bekommen und entschied mich für Wuppertal.

Meine Studienleistungen aus dem Bachelor of Sience aus Düsseldorf wurden mir für das Lehramtsstudium anerkannt, sodass ich nur noch die Leistungen für Spanisch im Bachelor nachholen musste, um mit dem Master of Education zu beginnen. Ihr seht also, auch auf Umwegen kann man zum Ziel kommen! Wenn ihr euch nicht sicher seid, lasst euch von Berufsberatungen und Studienberatungen helfen, sie kennen oft Möglichkeiten von denen man selber noch nie gehört hat!

Tipp: Tutorenprogramm hilft beim Einstieg

Nun zum Studienstart, der sich für mich wirklich als Herausforderung dargestellt hat. Gerade große Universitäten, wie die Heinrich-Heine-Universität, sind sehr anonym und es kann einen „Ersti“, so werden die Erstsemester genannt, schon einmal überfordern selber die Kurse und den Wochenplan zu organisieren. Ich würde euch empfehlen am Tutorenprogramm teilzunehmen, das die meisten Universitäten anbieten. Dort bekommt ein Student mit etwas mehr Erfahrung eine Gruppe von Erstsemesterstudenten zugeteilt, um ihnen den Studienstart zu erleichtern. Nicht nur den Tutor könnt ihr bei allen möglichen Fragen zu Rate ziehen, sondern euch auch mit euren Kommilitonen austauschen. Ein weiterer Tipp ist, sich einfach „durchzufragen“ und da müsst ihr wirklich ausdauernd sein, wenn euch mal jemand nicht helfen kann, fragt an einer anderen Stelle nach, bis ihr die gewünschte Information bekommt, da müsst ihr an der Uni wirklich penetrant sein. Dann werdet ihr ganz bestimmt erfolgreich sein.

Master of Education hat ein vielseitiges Kursangebot

Das Lehramtsstudium ist ein besonders schönes Studium für Menschen mit vielseitigen Interessen. Als ich Biologie studiert habe, hatte ich natürlich auch unterschiedliche Fächer, allerdings nur "biologische" Fächer und verwandte Naturwissenschaften, wie Chemie, Physik und Mathe. Im Lehramtsstudium habe ich gerade jetzt im Master ein sehr vielseitiges Angebot an Kursen, was ich sehr genieße. Dazu gehören natürlich Kurse in Spanisch (Literatur, Sprachwissenschaften, Sprachpraxis und Didaktik), Kurse in Biologie (Didaktik, Fächer wie Molekularbiologie im Labor), aber auch bildungswissenschaftliche Fächer, wie zum Beispiel psychologische Grundlagen oder Statistik. Mir persönlich gefällt dieses abwechslungsreiche Studium sehr gut. Manchmal ist es natürlich auch etwas schwierig alle Bereiche unter einen Hut zu bringen, da sich die Kurse der unterschiedlichen Fakultäten oft überschneiden, aber bisher habe ich nach Absprache mit den Dozenten immer eine Lösung gefunden. Ein weiterer sehr positiver Aspekt des Lehramtsstudiums ist die Praxisnähe. Während dem Bachelorstudium habe ich schon drei Praktika an Schulen absolviert, bei denen ich selber herausfinden konnte, ob dieses Studium wirklich das Richtige für mich ist. Im Master werde ich nun ein ganzes Semester an einer Schule verbringen und fühle mich damit perfekt auf das Referendariat vorbereitet.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass mir mein Studium sehr gut gefällt, auch wenn ich erst durch Umwege dahin gelangt bin, wo ich mich heute befinde. Ich wünsche allen Schülern viel Erfolg bei der Auswahl ihres Studienganges und hoffe, ich konnte euch ein wenig über das Lehramtsstudium informieren.

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You only study once - wer und was ist das!

You only study once (yoso) ist ein kleines Netzwerk von Studierenden, die sich für Schülerinnen und Schüler als Ansprechpartner bereitstellen, um aus der Studienrealität zu berichten. Die Mitglieder von you study only once kommen aus verschiedenen Studiengängen und studieren an unterschiedlichen Hochschulen. Anliegen des Netzwerkes ist es, den Übergang von der Schule zur Hochschule leichter zu machen.

You only study once hat bereits kleine interaktive Messen an Schulen veranstaltet oder an Berufsorientierungen teilgenommen. Wer im Umkreis Mettmann, Wuppertal oder Düsseldorf wohnt, kann auch Mitglieder des Netzwerkes an seine Schule einladen! Bei den gemeinnützigen Veranstaltungen ist ein Studierenden-Team vor Ort, das an kleinen Messeständen zu ihrem Studiengang informiert.

Wer nicht im Umkreis der genannten Städte wohnt, kann über die Facebook-Seite Kontakt zu dem Studierenden-Netzwerk aufnehmen oder sich auf der Homepage informieren:
www.youonlystudyonce.de