Dario Sellmeier hat den Test gemacht: Studienratgeber im Netz

(Autor: Dario Sellmeier, STUDI-Info)
Dario Sellmeier, Foto © Katja Niemeyer

Dario Sellmeier hat für STUDI-Info.de verschiedene Online-Studienratgeber getestet.  (Foto © Katja Niemeyer)

Studieren: Ja! - Aber was?

Ab einem gewissen Alter wird man immer häufiger mit der Frage konfrontiert, in welche Richtung es denn später mal gehen soll beruflich. Wenn man da nicht ständig zähneknirschend zugeben will, sich noch nicht so recht Gedanken darüber gemacht zu haben, ist es allerhöchste Zeit, mal in sich zu horchen. Natürlich ist es nie verkehrt, Berufswünsche zu hegen. Aber sind das wirklich Tätigkeiten, denen man womöglich sein ganzes Leben nachgehen kann und will? Passt der angepeilte Traumjob überhaupt zu meinen Fähigkeiten? Zu meiner Arbeitsweise, meiner persönlichen Einstellung?

Mit der objektiven Selbstwahrnehmung ist es so eine Sache und wer sich nicht ständig „Jung, das ist doch nichts für dich“ von Mama anhören will, der tut gut daran, sich möglichst frühzeitig über seine Stärken und Schwächen klar zu werden. Zu diesem Zweck bieten diverse Websites Tests an, die, teils in ganz unterschiedlicher Herangehensweise, Aufschluss zu geben versprechen über das optimale Studium.

Doch wem kann man hier vertrauen und wer ist am benutzerfreundlichsten? Wo findet man die handfeste Analyse, die einen ein paar Schritte weiterbringt? Ich habe mich mal durchs Netz geklickt und ein paar Angebote gecheckt – hier könnt ihr meine Ergebnisse lesen.

Erster Kandidat: Hochschulkompass.de

Meine erste Anlaufstelle ist hochschulkompass.de. Die Seite wirkt auf den ersten Blick sehr professionell, hat eine gute Aufmachung. Ich finde mich schnell zurecht, alles ist übersichtlich. Die Fragen zur Selbsteinschätzung sind sehr vielfältig, bewerten kann man sich anhand von 10er-Balken. Meine Bearbeitungszeit ist relativ gering. Die Auswertung erfolgt schließlich in einem Balkendiagramm, dem man entnehmen kann, wie ausgeprägt die eigenen Interessen in verschiedenen Bereichen sind. Dazu bekommt man immer eine Vergleichsgruppe präsentiert, die verdeutlicht, ob die eigenen Ergebnisse eher über- oder unterdurchschnittlich sind. Hier werden einem in einer kleinen Erläuterung zu den Interessensgebieten auch direkt erste Studienbereiche empfohlen.

Weiterhin ist es möglich, sich über Studienplätze zu informieren. Mit sehr exakten Filtern  ist der gesuchte Studiengang schnell gefunden, Abgleich mit dem soeben erstellten persönlichen Profil inklusive. Wer die dicken grünen Wälzer kennt, die jährlich Auskunft über die Angebote deutscher Unis geben und in denen man sich immer einen abblättert, wird dieses Programm dank seiner Bedienfreundlichkeit lieben. Außerdem kann man sich ein Teilnahme-Zertifikat für seine Bewerbungen ausdrucken, was von manchen Arbeitgebern gern gesehen wird.

Zweiter Kandidat: Ruhr-Uni Bochum

Man soll immer eine zweite Meinung einholen, so heißt es, und deswegen gilt mein nächster Besuch ruhr-uni-bochum.de. Zu Beginn des Tests bekomme ich diverse Zahlenreihen vorgesetzt, aus denen ich etwa die zweithöchste Zahl heraussuchen soll. Allerdings gibt es dabei ein Zeitlimit, das kaum einzuhalten ist. Spätestens nach dem dritten „Springen“ zur nächsten Aufgabe rolle ich mit den Augen. Das Ganze erscheint nicht so wirklich zielführend, ich klicke mich weiter.

Nun geht es an die Selbsteinschätzung, diese erfolgt jedoch auf Hunderterbalken. Da ich instinktiv den Zeiger immer auf einen vollen Zehner schieben will und mir das als Stückelung auch vollkommen ausreichend scheint, ist die Aufteilung recht nervig. Weiteres Minus: während des Ausfüllens weiß man nicht, wo man sich gerade befindet oder was einen noch erwartet. Ein sprachliches Modul, bei dem man in einer bestimmten Zeit möglichst viele Begriffe zu einem Thema (Beispiel: Gerichte mit Kartoffeln) sammeln soll, wirkt auf mich auch nicht ganz durchdacht. Halbwegs oder vollkommen abwegige Eingaben scheinen ebenfalls mitgezählt zu werden. Im Folgenden wechseln sich Mathe- und Sprachaufgaben mit Selbsteinschätzungselementen ab – diese enthalten jedoch oft gar keine passenden oder überflüssige Aussagen, etwa wenn ein Bild eines vollbesetzten Esstisches mit Fragen zur Arbeitsorganisation gekoppelt werden.

Die Bearbeitungszeit ist vergleichsweise lang, durch diverse Dopplungen an manchen Stellen auch recht ermüdend. Überraschend präzise und umfangreich gestaltet sich meine Auswertung – 16 Seiten in einem pdf-Heft.  Sehr sauber gegliedert in vier Oberpunkte zu Motivation, Arbeitsverhalten, Denken und Teamarbeit sind die einzelnen Aspekte. Die Ausprägung der Merkmale wird an Hunderterbalken veranschaulicht, dazu gibt es personalisierte Infotexte, welche tatsächlich mal einen Erkenntnisgewinn darstellen. Unter der Rubrik „Hinweise zum Berufsweg“ erfährt man noch mehr: arbeitet man besser in als Angestellter oder selbstständig? Ist man Fach- oder Führungskraft? Lesenswerte Basisinfos bezüglich Berufswahl und Verweise auf weitere Quellen runden das Ganze ab. Hier hat sich jemand wirklich Mühe gegeben. Mit Abstand die beste Ergebnisanalyse, die ich heute zu sehen bekomme.

Ein weiteres Angebot der Website ist das „BOrakel“ zum Studiengang – allerdings, versteht sich von selbst, nur an der Uni Bochum. Der Test ist wieder sehr ausführlich, ebenso wie beim vorangegangenen hakt es aber bei der Anwendung – erneut zu viele Antwortmöglichkeiten für meinen Geschmack. Wer plant, an der Ruhr-Universität zu studieren, für den ist es aber auf jeden Fall ein sehr nützliches Tool.

Letzter Kandidat: was-studiere-ich.de

Mein dritter und letzter Versuch führt mich auf was-studiere-ich.de. Am Anfang gibt es einen Überblick, ein großer Pluspunkt. Die Fragen sind anhand einer 5er-Aufteilung von „gar nicht“ bis „sehr“ zu beantworten, eine Aufteilung, die mir von allen drei Seiten am sinnvollsten erscheint. Einige der Fragen scheinen sich zu wiederholen. Ob das ein verlässlicheres Ergebnis bezwecken soll, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls nervt es ein wenig. Am Ende erwartet mich ein Interessenprofil – eine Grafik, die sowohl Bereiche als auch Fähigkeiten anzeigt, die mir sehr oder kaum liegen.

Dieser Test ist schnell gemacht, doch die Seite hält noch andere parat: sprachliches, rechnerisches und räumliches Denken. Diese sind abwechslungsreich konzipiert, sehr vielseitig und auch für „zwischendurch“, also wenn man einfach mal sein Können unter Beweis stellen möchte, die zeitintensive Bearbeitung von jeweils einer guten halben Stunde wert. Präsentiert werden mir am Ende sehr präzise Studienfachempfehlungen, so wie man sie auch bei einer professionellen Beratung erhält. Hier liegt der Fokus auch auf Fächern, die man vorher so gar nicht auf dem Schirm hatte – gefällt mir.

Interessant bei diesem Test ist, dass Aussagen über das allgemeine Studieninteresse gemacht werden. Also ob man den Anforderungen, die eine Universität an einen stellt (Textanalyse, dauerhafte Konzentration auf ein Thema etc.), auf Dauer gewachsen ist. Auch auf dieser Seite kann man sich seine Teilnahme am Test bescheinigen lassen.

Das Fazit der Testläufe

Fazit: Den Test, der keine Fragen offen lässt, habe ich heute nicht gefunden. Beim Fragebereich hat hochschulkompass.de die Nase vorn, dafür überzeugt ruhr-uni-bochum.de klar mit der ausführlichen Analyse am Schluss. Die nützlichsten zusätzlichen Features hingegen bot was-studiere-ich.de.

Am besten macht ihr es wie ich – nicht nur auf eine Seite beschränken und die Ergebnisse dann als ewige Wahrheit nehmen. Informiert euch so gut wie möglich, testet euch, was das Zeug hält – es geht schließlich um keine Kleinigkeit, sondern um einen großen Teil der persönlichen Zukunft.