Mieten für Studierende steigen weiter!

Text/Quelle: Moses Mendelsohn Institut (MMI). Modelfoto: Colourbox.de

Im begonnenen Wintersemester 2020/2021 müssen Studierende erneut mehr Geld fürs Wohnen ausgeben. „Nicht trotz, sondern gerade wegen der Corona-Pandemie setzt sich der seit sechs Jahren andauernde Aufwärtstrend fort“, sagt Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts (MMI).

Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer erhöht sich 400 Euro
Die Wissenschaftler haben in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-gesucht.de die Preise in allen 97 Hochschul-Standorten mit mindestens 5.000 Studierenden untersucht. Für Dr. Brauckmann ist das Ergebnis überraschend: „Da Seminare und Vorlesungen aktuell fast ausschließlich als digitale Veranstaltungen angeboten werden und zudem viele ausländische Studierende in ihren Heimatländern bleiben, haben wir eigentlich mit einem Rückgang der Nachfrage und Preise gerechnet. Doch mehrere Faktoren überlagern diesen Effekt und sorgen dafür, dass die durchschnittliche Miete für ein WG-Zimmer gestiegen ist, von 389 Euro im vergangenen Jahr auf nun 400 Euro.“  

München und Landkreis München haben die höchsten Preise
Preis-Spitzenreiter ist laut der Analyse von MMI und WG-gesucht.de München mit 650 Euro. Dort ist der Wohnungsmarkt auch am stärksten angespannt, vor Hamburg, Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln und Berlin.

MMI-Direktor Dr. Stefan Brauckmann kennt die Gründe für die unerwartete Entwicklung. Der dämpfende Effekt durch Studierende, die wegen Online-Vorlesungen gar keine Wohnung mehr vor Ort suchen, wird durch andere Entwicklungen mehr als aufgehoben. „So nimmt die Zahl der Studierenden zu, weil es den Schulabsolventen wegen der Corona-Pandemie an planbaren Alternativen, wie Auslandsaufenthalten, Praktika oder Ausbildungsstellen mangelt. Viele junge Menschen wollen trotz der Pandemiebeschränkungen das Elternhaus verlassen und Erfahrungen am Hochschulort sammeln.“

Wegen mangelnder Alternativen hat die Studienplatznachfrage bundesweit zugenommen
Die WG-Mieten steigen in diesem Jahr vor allem in Städten, in denen der Anteil der internationalen Studierenden bisher geringer ist. Denn hier ist der Preisdämpfungs-Effekt durch die ausbleibende internationale Wohnungsnachfrage weniger ausgeprägt. Als Beispiele nennt Dr. Brauckmann Lüneburg (von 350 auf 385 Euro), Kempten (von 330 auf 370 Euro) und Koblenz (von 310 auf 350 Euro). „Hier kommt eine solche Entwicklung überraschend“, so Dr. Brauckmann: „Im Schnitt sind in Städten mit geringer Internationalisierung der Hochschulen die Preise um 15 Euro beziehungsweise 4,1% gestiegen. An Hochschulorten mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil ausländischer Studierender hingegen haben sich die Preise zurückhaltender entwickelt. Diese sind jetzt nur 1% beziehungsweise fünf Euro höher als 2019.“

Wegbrechende Nebenverdienstmöglichkeiten erschweren für viele die Studienbedingungen
An den zehn Hochschulorten mit den angespanntesten Wohnungsmärkten muss mittlerweile mit Wohnkosten von über 500 Euro gerechnet werden. Hier studieren etwa 775.000 Personen. Das ist mehr als jeder vierte Studierende „Für Studierende, die auf BAföG oder einen Nebenverdienst angewiesen sind, wird dieses essenzielle Problem in Pandemie-Zeiten noch verschärft. Denn die Nebenverdienstmöglichkeiten etwa in der Gastronomie oder in Freizeit-Einrichtungen sind stark eingeschränkt. Hier muss dringend Abhilfe durch eine Ausweitung günstigerer Angebote sowie passgenaue Unterstützung der jungen Menschen geschaffen werden. Ansonsten entscheidet noch mehr als schon bisher das Elterneinkommen über den Hochschulort und die späteren Beschäftigungsperspektiven“, so Dr. Brauckmann.